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Moritz
und die Frauen
Wir haben
einen Frau-zu-Mann-Transsexuellen über seine Sexualität
auch ohne Penisaufbau befragt.
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Wie hältst Du es mit der Sexualität, auch wenn Du
keinen Penisaufbau hast? |
| MORITZ: |
Um Sex zu haben und dabei eine sexuelle Befriedigung
zu finden, muß man sich selbst akzeptieren und sich mögen.
Ich denke, daß es im Bett nur klappt, wenn man seinem Gegenüber
vertraut. Ich glaube auch, daß die meisten Männer so
mit sich selbst beschäftigt sind, daß sie für
Gefühle und zwischenmenschliche Beziehungen überhaupt
nicht offen sind. Für sie stehen meist ihre "15cm"
im Vordergrund und daran machen sie ihre Männlichkeit fest.
Für mich ist das nicht so.
Diese "15cm" geben einem andererseits
Sicherheit, Freiheit, Anonymität und dieses Gefühl:
"ich fall nicht auf, ich bin keine Ausnahme". Ich will
auch nicht auffallen und will auch keine Ausnahme sein, aber ich
will auch keine Kompromisse eingehen. Mit den Operationen, so
wie sie derzeit stattfinden, müßte ich Kompromisse
und auch wahnsinnige Risiken eingehen und das will ich nicht.
Mir macht Sex Spaß. Ich find's toll, mit
Frauen zu schlafen, und sie zu berühren. Ich hatte natürlich
auch am Anfang Schwierigkeiten, mich anfassen zu lassen. Aber
irgendwann war dann dieses Gefühl, diese Sehnsucht, die Nähe
des anderen zu spüren, so stark, daß es passiert ist.
Ich glaub’ auch nicht, daß Frauen die Männer an den
"15cm" messen, auch im Bett nicht.
Wenn ich Frauen kennengelernt habe, war das oft
schwierig. Ich habe immer den Satz gehört: "Wenn Du
ein Mann wärst...". Darauf habe ich gesagt: "Ich
bin einer!". Es ist idiotisch, das Mannsein daran festzumachen,
was ich in der Hose habe. Ich denke, die Art so wie ich mit Frauen
umgehe, hätte ich nicht, wenn ich als Mann geboren wäre.
Ich leide natürlich darunter, nicht als Mann geboren zu sein,
aber andererseits ich weiß dadurch besser mit Frauen umzugehen,
wie es mir als biologischer Mann möglich gewesen wäre.
Beim Sex muß man sich ganz fallen lassen
und es ist schon so, daß man ein gewisses Enthüllungsdasein
führt, wenn man nicht ganz operiert ist. Ich glaube andererseits
auch nicht, daß die Ärzte es so hinkriegen, daß
eine Frau es nicht merkt.
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Möchtest Du, daß eine Frau beim Sex gar nichts merkt? |
| MORITZ: |
Ich möchte das überhaupt nicht, aber
ich denke auch daß ein operierter Mann das beim Sex nicht
verheimlichen kann. Ich weiß auch nicht, inwieweit es mit
einem Penisaufbau beim Sex funktioniert. Entweder stehe ich dazu,
daß ich nicht als Mann geboren worden bin und ich hab’ auf
andere Weise meinen Spaß im Bett, oder es ist so gut, daß
es kein Mensch merkt. Und dazu sind die Ärzte meiner Meinung
nach noch nicht in der Lage. Aus diesem Grund sehe ich nicht ein,
warum ich das Risiko der Operation auf mich nehmen soll, wenn
für mich das gewünschte Ergebnis nicht in Aussicht ist.
Ich bin ein sehr stark sexuell betonter Mensch.
Sex macht Spaß und gehört für mich dazu. Ich muß
Frauen immer überzeugen, daß ich genauso gut bin wie
jeder andere Mann und hinterher hat sich noch nie eine Frau beschwert.
Ich muß so oder so dem Menschen, mit dem ich ins Bett gehe,
offenbaren, daß ich nicht als Mann geboren wurde.
Daß das unter der Dusche oder in der Sauna
nicht auffällt kann sein, aber beim Sex fällt es auf,
oder eine Frau hat noch nie einen nackten Mann gesehen.
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Wer beobachtet schärfer – Männer oder Frauen? |
| MORITZ: |
Männer schauen besonders in der Toilette oder unter der
Dusche! Frauen beobachten eher in der Umkleide. Wenn ich in der
Männerumkleide bin, kann ich mich am Spind so hinstellen,
daß niemand etwas sieht, wenn ich das T-Shirt ausziehe.
Frauen schauen da schon eher, z.B. auf den Hintern oder auf die
Brust. Sie machen’s natürlich auch geschickter.
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Ich erlebe viele Frau-zu-Mann-Transsexuelle, die keinen Penisaufbau
machen lassen, als "männlicher" als selbst viele
biologische Männer. Woran glaubst Du liegt das? |
| MORITZ: |
Das liegt hauptsächlich am Selbstbewußtsein. Ich denke,
daß bei vielen Frau-zu-Mann Transsexuellen das Ego darunter
leidet, daß sie nicht als Mann geboren wurden. Vielleicht
haben sie auch Angst, Frauen nicht das geben zu können, was
sie ihnen gerne geben würden. Die meisten Frauen, die ich
kenne, sagen mir, daß sie mit vielen Männern geschlafen
haben und mit ihnen nicht zum Orgasmus gekommen sind. Die Zwischenmenschlichkeit
ist da wichtiger als die "15 cm". Ein Penis macht nicht
unbedingt einen Mann aus. Es gehört viel mehr dazu, Mann
zu sein.
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Es gibt ja immer das Argument, z.B. im Sportverein wäre
es üblich, nackt zu duschen und da käme es dann 'raus,
daß man kein "richtiger Mann" sei, wenn man nicht
operiert sei. |
| MORITZ: |
Das haben mir schon mehrere gesagt, aber ich
gehe in den Sportverein und wenn die Brust operiert ist, man einigermaßen
vom Körper her trainiert ist und weiß, wie man sich
hinstellen muß, dann ist das normalerweise kein Problem.
Männer schauen da nicht, die interessiert das auch nicht
so. Da kommt noch dazu, daß man sich auch nicht unbedingt
nackt duschen muß, und in die Sauna gehe ich mit einem Handtuch.
Es gibt genügend Männer, die das so machen und ich kann
mich auch so hinsetzen, daß man es nicht sieht. Es ist schon
anstrengend, aber mit den Leuten, mit denen ich in die Sauna gehe,
ist es kein Problem.
Ich denke, warum die meisten Frau-zu-Mann-Transsexuellen
keinen Sex haben, ist, daß sie wahnsinnig mit sich selbst
beschäftigt sind, weil sie eben dieses "Mannsein"
an die vorderste Stelle stellen. Mit dem Versuch, ständig
Mann zu sein, vergessen sie ihre anderen Bedürfnisse. Der
Mensch ist eigentlich ständig nach der Suche nach seinem
Ying und Yang. Man kann das durch Arbeit, durch Sport oder irgendwelche
anderen Hobbys kompensieren, aber letztendlich ist ein Mensch
ein Wesen, das eine Zweisamkeit sucht. Für mich stand diese
Zweisamkeit immer im Vordergrund.
Meine Partnerin liebt mich ja nicht deswegen,
daß ich einen Penis hab’, sondern weil ich so bin wie ich
bin. Und ich bin ein Mann, ob mit oder ohne Penis. In der Gesellschaft
schaut mir ja niemand in die Hose und wenn ich eine Frau kennenlerne,
dann tue ich das als Mensch. Wenn ich dann mit ihr ins Bett gehe,
merkt sie es so oder so, dem kann ich nicht aus dem Weg gehen.
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Vielen Dank für das Gespräch! |
Das Interview führte Karin
Willers
Site by Sarah
15.12.1999 © VIVA TS Selbsthilfe
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