Das folgende Interview erfolgte telefonisch, weshalb die Antworten
nicht unbedingt wortwörtlich wiedergegeben sind, jedoch inhaltlich
korrekt und teilweise durch Informationen aus vorliegenden Artikeln
aus Publikationen erweitert. Dies wurde im Vorfeld des Interviews abgesprochen.
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Wie gelangen die Kinder/ Jugendliche zu Ihnen in die Klinik?
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| Mayenburg: |
Über Kinderärzte, Hausärzte, Lehrer, Erziehungsberatungsstellen,
Psychologen oder direkt über die Eltern, die von unserem
Behandlungsprogramm gehört haben.
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Woran können Eltern/Kontaktpersonen erkennen, dass bei
ihrem Kind/ Jugendlichen Trans* oder eine andere Identitätsstörung
vorliegt? |
| Mayenburg: |
An deren geschlechtsatypischen Verhalten und Interessen, wobei
dies bei Jungen viel schneller auffällig wird, als bei Mädchen.
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Wie lange dauert es, bis ein Kind/ Jugendlicher zu Ihnen in
die Klinik kommt? |
| Mayenburg: |
Die jüngsten Patienten kommen im Alter von vier Jahren.
Bei jemand, der auf dem Land wohnt gestaltet sich es schwieriger,
einen geeigneten hilfreichen Ansprechpartner zu finden. Viele
Patienten haben jahrelange Irrwege über verschiedene Beratungsstellen,
Kliniken und Therapeuten hinter sich.
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Wie sehen die ersten Massnahmen und die weitere Vorgehensweise
aus? |
| Mayenburg: |
Es wird eine eingehende psychiatrische Untersuchung verbunden
mit psychologischen Tests gemacht, um andere psychische Störungen
auszuschließen. Es folgt eine mehrjährige Psychotherapie.
Wichtig ist auch eine Beratung der Eltern, vor allem in Fällen,
in denen die Eltern einer Behandlung ablehnend gegenüberstehen.
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Ist es Ihrer Meinung nach gut, wenn Trans* früh bemerkt
wird? |
| Mayenburg: |
Selbstverständlich. Eine eindeutige Diagnose "Transsexualität"
kann präpubertär überhaupt noch nicht gestellt werden.
Nicht jeder ist transsexuell! Die Mehrzahl der Geschlechtsidentitätsstörungen
im Kindesalter stellt eine Vorstufe der Homosexualität dar.
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Finden sich die Kinder/ Jugendliche und Eltern/ Kontaktpersonen
in das Schicksal ein oder wird versucht zu "heilen", beziehungsweise
die Untersuchungsergebnisse zu ignorieren? |
| Mayenburg: |
Forschungsgruppen in den USA/ Kanada fanden heraus, dass die "Heilungschancen"
bei Geschlechtsidentitätsstörungen im Kindesalter deutlich
besser sind als im Jugendalter. Dies bedeutet, die Betroffenen konnten
ihr biologisches Geschlecht nach der Behandlung doch noch annehmen.
Nach der Pubertät ist eine Behandlung allerdings sehr schwierig.
Einen Versuch eine Behandlung zu machen ist sehr wichtig, da dadurch
viel Kummer erspart werden kann.
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Wie sieht das Leben eines Trans* Kindes/ Jugendlichen aus? |
| Mayenburg: |
Vor der Pubertät haben die Jungen sehr darunter zu leiden,
da sie vermehrt auffallen. Der Leidensdruck ist bei den Mädchen
ab der Pubertät größer.
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Wie empfinden Trans* Kinder/ Jugendliche selbst ihr Anderssein
als andere Gleichaltrige? Können sie ihre Situation realistisch
einschätzen? |
| Mayenburg: |
Geschlechtsidentitätsgestörte Kinder und Jugendliche
bemerken sehr wohl ihr Anders sein, weil sie viel Ablehnung und
Hänseleien erfahren, oft zu Außenseitern werden. Bei
Kindern herrscht oft noch magisches Denken vor, z. B. dass ein Zauberer
kommt und sie verwandelt. Jugendliche können ihre Situation
realistischer einschätzen.
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Wie reagieren andere Kinder auf Ihr Klientel? Gibt es eher
Ausgrenzung oder Akzeptanz? Und inwieweit ist das altersabhängig? |
| Mayenburg: |
Jungen erfahren sehr oft von anderen Jungen viel
Ablehnung, sie werden eher von gleichaltrigen Mädchen akzeptiert.
Ab der Pubertät wird es für sich auffällig feminin
verhaltende Jungen besonders schwierig, während sich die Mädchen
oft besser anpassen können und weniger Probleme haben.
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Was geschieht mit Ihren Klienten, wenn sie langsam erwachsen
werden, aber dennoch die Hilfe eines Therapeuten benötigen?
Behandeln Sie weiter oder überweisen Sie an einen Kollegen? |
| Mayenburg: |
Jugendliche, die schon im Kindesalter zu mir kommen, behandle
ich weiter. Anders sieht es bei Patienten aus, die als Jugendliche
im Alter von 17 - 18 Jahren zu mir kommen, diese werden an die sexualmedizinische
Ambulanz der Frankfurter Universitätsklinik überwiesen.
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Haben Sie noch Kontakte zu früheren Klienten? |
| Mayenburg: |
Ja, nach der Umwandlung in größeren Abständen.
Dies ist auch häufig Wunsch der Betroffenen.
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Nach dem TSG gibt es inzwischen kein Mindestalter für
die Angleichung an das Wunschgeschlecht. Wie ist Ihre persönliche
Meinung zu dieser Thematik? |
| Mayenburg: |
Eine angleichende Behandlung sollte unbedingt erst nach Vollendung
der Entwicklung und der Volljährigkeit stattfinden. Es gibt
Jugendliche, die nach längerer Therapiedauer doch noch ihr
biologisches Geschlecht annehmen können. Bei zu frühzeitiger
"Umwandlung" wäre diese Chance vertan.
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Spielen die Erfahrungen Ihrer Kollegen im Ausland, z. B. van
Gooren in den Niederlanden oder der Portman Klinik in London für
Sie eine Rolle? Und wenn ja, welche? |
| Mayenburg: |
Selbstverständlich spielen die Erfahrungen der Kollegen eine
Rolle. Es findet ein regelmäßiger Informationsaustausch
statt, hauptsächlich mit den Kollegen in London. Mit den Niederländern
bin ich nicht einer Meinung, da ich eine frühzeitige Hormonbehandlung
ablehne.
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Wie weit sind "gewöhnliche" Psychologen über
das Thema Trans* auf Grund ihrer Ausbildung informiert? Besteht
generelles Interesse an Fortbildung oder Informationsmaterial? |
| Mayenburg: |
Durch besseres Informationsmaterial und Fachliteratur ist die
Verbreitung der Informationen über Trans* verbessert worden.
Allerdings ist es immer noch sehr schwer einen Therapieplatz zu
finden, da die Fachkompetenzen fehlen. Im Frankfurter Raum, beziehungsweise
bundesweit gibt es keine weiteren Anlaufstellen, außer der
Frankfurter Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der
Dr. Meyenburg tätig ist. |