
Hormone
ein Überblick

Ein
wichtiger Schritt hin zum Wunschgeschlecht ist die Einnahme gegengeschlechtlicher
Hormone. Jedoch ist das Zusammenspiel der Hormone und deren Wirkungen
äußerst kompliziert und empfindlich. Nicht einmal von Experten
bekommt man übereinstimmende Aussagen über die beste Vorgehensweise.
Die folgenden Seiten sollen und können kein medizinisch fundierter
Ratgeber sein, sondern sollen über die Hormontherapie informieren.
Zu Beginn eine Warnung: Aufgrund der hohen
Risiken sollte man sich vor Beginn der Behandlung über deren Folgen
im klaren sein. Außerdem sollte man die Therapie unbedingt mit
einem Arzt, am besten einem Endokrinologen, durchführen. Weiterhin
sollten nur Hormone eingenommen werden, die direkt von einem lizensierten
pharmazeutischen Distributor bezogen wurden.
WIE FUNKTIONIEREN HORMONE?
Hormone sind die Botenstoffe des Körpers. Sie teilen den einzelnen
Zellen und Organen mit, was sie zu bestimmten Zeitpunkten zu tun haben.
Die Produktionsstätten der Biostoffe sind innersekretorische Zellen
wie etwa die Schilddrüse. Die Hormone gelangen durch den Transport
mit Blut oder Lymphe zu den Zellen ihrer Erfolgsorgane, wo sie bestimmte
Reaktionen auslösen.
Es gibt eine Vielzahl von Hormonen für eine Vielzahl von auszulösenden
Reaktionen. Die meisten wirken jedoch nur auf bestimmte Organe und Gewebe.
Der Grund für diese Gewebespezifität liegt darin, daß
nur die Zellen der Erfolgsorgane einen Empfänger, den sogenannten
Rezeptor enthalten. Nur er vermag das Hormon fest zu binden und eine
Informationsweitergabe an den Zellkern veranlassen.
Als chemischer Stoff kann ein Hormon nur chemische Wirkungen haben;
es beeinflußt irgendwelche chemischen Vorgänge. Die physiologischen
und biologischen Wirkungen, die man beobachtet, sind meist recht späte
Folgen dieser Primärwirkung.
Die Pharmazie ist heute in der Lage, die Molekülstruktur der
Hormone so zu verändern, daß ihre Wirkungsweise um ein Vielfaches
erhöht wird. Ebenso ist sie aber auch erfolgreich in der Synthese
von Substanzen, die den Hormonen zwar ähnlich sind, jedoch keine
Wirkung in der Zelle hervorrufen. Sie werden von den Rezeptoren angenommen
und blockieren diese damit für körpereigene Hormone. Diese
sind somit nicht in der Lage, am Zielort in der Zelle eine bestimmte
Reaktion zu veranlassen. Man kann somit z.B. bei Transsexuellen die
Wirkung körpereigener Sexualhormone stark unterdrücken.
BEGINN EINER HORMONTHERAPIE
Die Hormontherapie wird mit einer Anamnese eingeleitet, das heißt
die Vorgeschichte des Patienten wird dokumentiert. Eine körperliche
Untersuchung und der Haarwurzeltest, bei dem das Kerngeschlecht festgestellt
wird, schließen sich an. Die Hormonwerte werden gemessen und Begleiterkrankungen,
die eine Hormontherapie problematisch erscheinen lassen, werden erfaßt.
Der Verlauf der Therapie wird kontinuierlich beobachtet, um den Behandlungserfolg,
aber auch auftretende Komplikationen rechtzeitig festzustellen.
PRÄPARATE
MzF-Transsexuellen werden Östrogene, also weibliche
Sexualhormone gegeben. Da es keine speziell für die Behandlung
Transsexueller hergestelten Medikamente gibt, werden Mittel verabreicht,
die ursprünglich zur Behandlung von Prostatakarzinomen oder zur
Kompensation des Hormonrückgangs bei Frauen in der Menopause entwickelt
wurden. Oft werden zusätzlich Antiandrogene verabreicht, um die
männlichen Sexualhormone von den Bindungsstellen zu verdrängen.
FzM-Transsexuellen werden alle zwei bis drei Wochen intramuskulär
Testosterongaben gegeben.
WIRKUNGEN
Werden Hormone vor dem Einsetzen der Pubertät verabreicht, so verhindern
sie das Einsetzen derselben. Ansonsten gilt: je länger die Pubertät
her ist, desto geringer sind die Auswirkungen der Hormontherapie. Die
meisten körperlichen Veränderungen beginnen nach ein bis drei
Monaten. Nach sechs bis neun Monaten stellen sich nicht mehr rückgängig
machbare Veränderungen ein.
Bei MzF-Transsexuellen wurden folgenden Effekte in unteschiedlicher
Stärke beobachtet:
- Die Fruchtbarkeit sinkt, es kommt zu einer Schrumpfung der Hoden.
Nach mehreren Monaten setzt eine dauerhafte Unfruchtbarkeit ein. Ebenso
sinken Potenz und Libido ab.
- Der Brustumfang wächst. Zudem vergrößern sich die
Brustwarzen und die Warzenhöfe. Oftmals steigt auch die Sensibilität
der Brust.
- Die Fettverteilung ändert sich, das Fett verlagert sich weg
von der Taille zu den Hüften und dem Hintern. Auch das Gesicht
bekommt eine weiblichere Form.
- Die Körperbehaarung wächst langsamer, die Haare werden
feiner und blonder.
- Außerdem kann die Muskelkraft sinken, die Haut trockener
werden und Haarausfall am Kopf gestoppt werden.
Die Hormontherapie hat bei MzF-Transsexuellen keinen bedeutenden Einfluß
auf Stimmhöhe, Bartwuchs und Knochenbau.
Bei FzM-Transsexuellen hat die Hormontherapie folgende Auswirkungen:
- Es setzt ein Stimmbruch ein, jedoch wird die Stimmfrequenz nicht
immer so tief wie eine normale männliche.
- Die Fruchtbarkeit verringert sich. Der Menstruationszyklus wird
unregelmäßig und hört schließlich ganz auf.
- Die Klitoris vergrößert sich um einige Millimeter bis
Zentimeter.
- Die Körper- und Gesichtsbehaarung nimmt zu, wird fester und
eventuell auch dunkler. Dies kann jedoch ein paar Jahre dauern.
- Die typisch männliche Glatzköpfigkeit kann einsetzen.
- Die Muskelmasse wächst, wenn sie trainiert wird.
- Die Fettverteilung verändert sich, das Fett verlagert sich
weg von den Hüften hin zur Taille. Das Gesicht bekommt typisch
männliche Züge.
Hormone bewirken keine Verkleinerung des Brustumfangs. Ebenso haben sie
keinen Einfluß auf Form oder Größe des Skeletts.
NEBENWIRKUNGEN
Die Nebenwirkungen einer Hormonbehandlung bei Frau-zu-Mann-Transsexuellen
sind extrem gering. Gelegentlich kommt es zu Leberfunktionsstörungen.
Dagegen sind die Nebenwirkungen einer Östrogenbehandlung bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen
wesentlich höher. Vor allem besteht ein erhöhtes Thromboembolie-Risiko.
Östrogen und Antiandrogene können zu einer unkontrollierten
Produktion des Schwangerschaftshormons Prolaktin führen. Es wird
in der Hypophyse produziert und löst bei einer Schwangerschaft
die Milchproduktion aus. In Einzelfällen kann die überhöhte
Prolaktinproduktion eine tumorartige Hypophysenvergrößerung
bewirken.
DARREICHUNGSFORMEN
Derzeit gibt es vier verschiedene Darreichungsformen von Hormonen:
TABLETTEN
sind bequem und gewährleisten einen gleichmäßigen Hormonspiegel.
Allerdings wird die Leber stark belastet, da die Hormone zweimal die
Leber passieren müssen. Tabletten werden daher normalerweise nicht
zu Beginn einer Hormontherapie verwendet.
SPRITZEN
belasten die Leber in geringerem Maße, da die Hormone direkt in
den Blutkreislauf gelangen. Daher werden sie zumeist zu Beginn der Hormontherapie
bevorzugt. Negativ ist jedoch der stark schwankende Hormonspiegel. Außerdem
besteht durch jede Injektion ein Infektionsrisiko.
PFLASTER
gewährleisten eine geringe Leberbelastung sowie eine stetiges Hormonniveau.
Sie sind jedoch teuer und unbequem und können Hautreizungen hervorrufen.
SALBEN
belasten die Leber ebenfalls wenig. Jedoch ist die Transferrate der
Hormone in der Körper zu gering für eine Hormontherapie. Hormonpräparate
für FzM-Transsexuelle sind derzeit nicht erhältlich.
DAUER DER HORMONTHERAPIE
Primär soll durch die Hormontherapie der Körper dem Gegengeschlecht
so weit als möglich angepaßt werden. Dieser Prozeß
ist normalerweise nach spätestens ein bis zwei Jahren abgeschlossen.
Jedoch produziert der Körper nach dem Entfernen der Keimdrüsen
Hoden bzw. Eierstöcke nur noch in geringen Mengen
eigene Sexualhormone. Davon stirbt man nicht gleich, jedoch kann ein
solcher Mangel Ausfallerscheinungen wie Knochenerweichung, Schlafstörungen,
Gewichtszunahme oder Schweißausbrüche zur Folge haben. Daher
ist eine Substitution der eigenen fehlenden durch gegengeschlechtliche
Sexualhormone lebenslang nötig.
Sarah
aus dem VIVATISSIMUS 3/98 Transsexualität
Literatur:
Links:
Site by Sarah
21.02.1999 © VIVA TS Selbsthilfe