Ma vie en rose -
Mein Leben in rosarot

Melodram , Frankreich, Belgien, England 1997 , 88
Minuten
Regie:Alain Berliner
Darsteller: Michele Laroque (Hanna), Jean-Philippe Ecoffey (Pierre),
Helene Vincent (Elisabeth), Georges du Fresne (Ludovic), u.a.
Rosarot ist die Farbe für Mädchen. Und es ist die Farbe
von Ludovic. Ludovic ist ein Mädchen, das weiß sie/er ganz genau
- nur alle anderen behaupten, er wäre ein Junge.
Anfangs
wird Ludovics Verhalten von den Menschen seiner Umgebung für ein
dummes Spiel, eine kindliche Phase und als vorübergehend abgetan.
Aber im Laufe der Zeit spitzt sich die Situation zu, denn Ludovic bleibt
dabei. Er spielt mit Puppen, probiert gerne die Kleider der Schwestern
an, flirtet mit einem Jungen aus der Nachbarschaft und spielt mit ihm
'Hochzeit'. Die Nachbarn beginnen unruhig zu werden, es entsteht eine
Spannung, die sich mit jeder Situation verstärkt, in der sich Ludovic
nach seiner Auffassung ganz natürlich verhält, die Menschen
um ihn herum jedoch entsetzt sind, weil Ludovic nicht in ihr Rollenbild
paßt, weil sie wollen, daß er sich wie ein 'normaler Junge' verhält..
Abgesehen von der Großmutter, die stets zu Ludovic hält, ändern
sich die Meinungen der Eltern und Nachbarn über sein Verhalten
ständig. So ist zuerst die Mutter auf der Seite Ludovics, und der
Vater besteht darauf, die Sache 'wegtherapieren' zu lassen, während
später die Mutter bitterböse wird, und der Vater sich auf
Ludovics Seite schlägt. Bei den Nachbarn wandelt sich Belustigung
in Haß und Ablehnung gegenüber der ganzen Familie. Ludovic versucht,
in dieser Welt zu überleben, flüchtet sich aber auch öfters
in eine eigene Märchenwelt in rosarot.
Der Film erzählt, unterstützt von einer gelungenen Kameraführung
und Farbregie, einen Lebensabschnitt, der für viele Transsexuelle
ähnlich abgelaufen sein könnte. Es ist für uns ein Blick
in eine mögliche eigene Vergangenheit, in der kindliche Unschuld
noch stärker war als die Regeln und Gesetze der Erwachsenenwelt,
in der man noch mehr das sein konnte, was man innerlich ist, in der
man noch an Magie und Verwandlung glauben konnte und daran, daß die
Welt doch eigentlich gut ist. Ludovic bekommt auch Gelegenheiten (oder
besser - er nimmt sich die Gelegenheiten), Dinge auszuprobieren und
auszuleben, die für viele von uns mit zu viel Angst besetzt wären,
als daß wir sie uns je getraut hätten. Ludovic trägt das
innere Erleben nach außen, lebt alles aus, egal was die Umwelt dazu
sagt. Aber dafür wird er häufig bestraft und man erkennt in
einigen Szenen auch, daß die Sozialisierung beginnt, den kindlichen
Traum zu zerstören - den Traum Ludovics, daß er wenn er mal groß
ist seinen Freund heiraten wird - und er wird dann von einem 'Mädchenjungen'
zu einer Frau herangewachsen sein.
Anja
1.12.99 © VIVA TS Selbsthilfe