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Orlando

orlando

Niederlande 1992, 93 Minuten
Regie: Sally Potter
Darsteller: Tilda Swinton, Quentin Crisp, J. Somerville

ORLANDO wurde von Virginia Woolf 1928 als beschwingter Liebesbrief an ihre Schriftstellerfreundin Victoria Sackville-West geschrieben. Konzipiert war der Roman als Darstellung ihres Freundeskreises in der Art eines Sittengemäldes. Orlando durchlebt vier Jahrhunderte, zwei davon als Mann, zwei als Frau. Er studiert die Rollen von Mann und Frau im Lauf der Geschichte.

Orlando ist der Günstling von Elisabeth I. Die alternde Königin wird, als Besetzungsgag, von Quentin Crisp ('Englands berühmtester Homosexueller') gespielt. In kurzen Episoden sehen wir Orlando in einer unglücklichen Liebesaffäre mit einer russischen Edelfrau und als Botschafter irgendwo in Zentralasien. Er fällt in einen Tiefschlaf und wacht als Frau wieder auf. Ihre Reaktion darauf ist ganz einfach: 'Dieselbe Person … anderes Geschlecht'. Sie scheint auch nicht überrascht von dieser plötzlichen und unerwarteten Veränderung zu sein. Orlando landet schließlich als selbstbewußte Frau in den 90ern.

Diejenigen, die sich ORLANDO ansehen und eine schnell durchlaufende Handlung erwarten, werden etwas enttäuscht sein. Der Reiz des Filmes liegt vielmehr in unglaublichen Kostümen, einer faszinierenden Reise durch die Jahrhunderte und nicht zuletzt in der schauspielerischen Leistung von Tilda Swinton. Sie zeigt eine erstaunliche Bandbreite sowohl als Mann als auch als Frau. Obwohl ihre ausgesprochen weibliche Erscheinung es für den Zuschauer etwas schwierig macht, Orlando als Mann zu akzeptieren, ist ihre Art, zu sprechen und sich zu bewegen, männlich. Nach ihrer Verwandlung ist sie glaubwürdiger, aber dies liegt hauptsächlich daran, daß ihr Aussehen nun ihren Bewegungen entspricht.

Tilda Swinton dominiert ganz klar in diesem Film, und sie ist in fast jeder Einstellung zu sehen. Sally Potter ergreift jede Gelegenheit, Tilda Swinton’s porzellangleiches Gesicht vor verschiedenen Hintergründen zur Geltung zu bringen. Außer Orlando ist keine Person länger als 15 oder 20 Minuten zu sehen. Billy Zane, der den Abenteurer Shelmerdine spielt, ist nur in einer Handvoll Szenen zu sehen. Das gleiche gilt für die anderen Co-Stars im Film.Dem Zuschauer fällt es leicht, Quentin Crisp als runzlige alte Königin zu akzeptieren. Wie man auch an anderen Rollen, in denen Männer Frauen spielen, sieht, scheint es einfacher zu sein, einen Mann als Frau zurechtzumachen, als umgekehrt.

ORLANDO hat für Transsexuelle natürlich einen eigenen Reiz. Die meisten wünschen insgeheim, am nächsten Morgen als Frau oder als Mann aufzu-wachen. Im Film gibt es mit einer einzigen Ausnahme, dem Erzherzog Harry, auch für die Umwelt fast keine Probleme mit Orlandos neuer Weiblichkeit. Ein Kommentar dazu im Film, als sich die Gerichte nicht einigen können ob Orlando nun tot oder eine Frau ist: 'Das ist so ziemlich dasselbe.'

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1.12.99 © VIVA TS Selbsthilfe
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